Autor Thema: Fate  (Gelesen 434 mal)

Gandhi

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 523
  • Verschwörer
    • Kampfkunst Siegen Outdoor Training
Fate
« am: Januar 26, 2017, 09:18:14 Vormittag »
Da man ja in den neusten Beiträgen immer mal wieder Fate liest.  :D
Habt ihr das System schon getestet?
Wo liegen die Stärken?
Was gefällt euch weniger?
Würdet ihr es empfehlen?

Es kursiert das Gerücht, ich hätte Gott gefunden. Ich denke, das ist unwahrscheinlich, weil ich genug Schwierigkeiten habe, meine Schlüssel zu finden; und es gibt empirische Beweise, dass diese existieren."  - Terry Pratchett

Kampfkunst Siegen Outdoor Training

A.G.

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 216
  • "Different in your mind only!"
Antw:Fate
« Antwort #1 am: Januar 26, 2017, 13:15:19 Nachmittag »
Hab' mich vor ein paar Monaten in das Grundsystem eingelesen um mal eine Runde für Eis&Dampf zu halten. Dazu ist es allerdings nicht gekommen, so daß mir praktische Erfahrungen mit dem System fehlen.

Was ich bisher drüber weiß, gefällt mir: Simples System, mit mehr Orientierung am dramatischen Handlungsfluß als an der Simulation physischer Gegebenheiten; modular erweiterbare Regeln und die Möglichkeit, sich alles auf die Bedürfnisse der Gruppe zurecht zu schneidern, wenn man ein bißchen Aufwand reinsteckt.
Theoretisch ist die Möglichkeit des Spielers zur Ausgestaltung seines Charakters freier als in vielen anderen Regelsystemen und der Einfluß der Spieler auf den Handlungsfluß recht groß...aber das muß sich erst noch bewahrheiten.
"Hooray!! After lunch, we will try to destroy each other!"
-Starfire The Terrible

"I am talking about visions of endless pain and suffering: Dead doctors everywhere! Spy is nowhere to be found!"
-Heavy Weapons Guy

Armin

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 216
Antw:Fate
« Antwort #2 am: Januar 26, 2017, 14:28:20 Nachmittag »
Ich habe schon ein paar Runden gespielt und es gefällt mir gut. Mit den Basisregeln habe ich bisher 3 Settings realisiert: GTA, viktorianischer Fantasy-Horror und was low cyberpunk-Verschwörung-Spionage-Crime-Weißnichtwas (Erläuterung folgt) :-)

Eine Stärke ist auf jeden Fall die Einfachheit der Regeln. Modifikatoren-Tabellen gibt es keine, man muss wenig blättern, wenn man die Grundregeln drin hat. Was mir außerdem sehr gut gefällt, ist das Aspekt-System. Aspekte umfassen Vorteile und Nachteile gleichermaßen, das Ausspielen eines Nachteils bringt immer auch einen sogenannten FATE-Punkt mit sich, der für positive Effekte eingesetzt werden kann. Die Motivation, negative Charaktereigenschaften auszuspielen, ist somit ungleich höher als in anderen Rollenspielen, in denen Nachteile hauptsächlich Punktelieferanten für weitere Vorteile sind.

Grundsätzlich kann man jedes Setting ohne großartige Supplements oder so umsetzen, man könnte z.B. ohne große Probleme ein "Guardians of the Galaxy"-Setting aus dem Boden stampfen und hätte ohne weiteres sofort die Möglichkeit, Rocket oder Groot als SCs zu erstellen.

Ein weitere Vorteil des Systems ist gleichzeitig auch ein Nachteil: Spieler müssen eine gewisse Eigeninitiative zeigen, sonst funktioniert es nicht. Das geht schon bei den Aspekten los, die man nicht aus einer Liste auswählt, sondern frei formuliert. Außerdem räumt das System, wie A.G. schon schrieb, den Spielern viel Platz ein, die Handlung mitzugestalten. SL mit einem Hang zum extremen Railroading werden mit diesem System wohl nicht so leicht glücklich(dennoch ist es möglich) wie diejenigen, die eher eine Sandbox bauen und nur einen ganz losen roten Faden einbauen und mehr auf die Taten der Spieler reagieren. Allerdings ermöglichen die Aspekte dem Spielleiter auch, Spieler zu gewissen Handlungen zu ermutigen (was der Spieler aber, so er noch FATE-Punkte hat, verhindern kann), damit sich die Handlung in eine bestimmte Richtung entwickelt. Das "Reizen" der Aspekte sollte hierbei aber immer in Zusammenarbeit mit den Spielern geschehen, um sicherzustellen, dass es sich natürlich anfühlt und eben nicht "gerailroadet". Das hat bisher aber immer ganz gut geklappt.

Die Charaktererstellung sieht vor, dass Spieler ihre eigenen Geschichten mit einbringen, die vom SL auch wirklich verarbeitet werden und nicht einfach nur, wie oft üblich, zwar als Vorgeschichte dienen, aber im Spiel selber mehr oder weniger völlig ignoriert werden. Das von mir oben angeschnittene 3. Setting ist genau so entstanden. Ich hatte als grobe Idee für das Setting "Deus Ex" zur Zeit von Human Revolution ausgegeben, was letztendlich draus geworden ist, ist durch die Charaktererschaffung und das "Phasentrio" (eine Mechanik, die die Charaktere schon vor Spielbeginn grob miteinander verknüpft und Aspekte generieren soll) relativ weit davon entfernt, aber nicht minder interessant. Das Ganze ist dann durch die Verknüpfungen und durch die von den Spielern erdachten NSCs und Parteien so komplex geworden, dass ich eine DIN A3 Mindmap brauchte, um das ganze zu strukturieren. Ich habe dann noch meine eigenen Ergänzungen in einer geheimen Version dieser Mindmap gemacht, um die Dinge zu dokumentieren, die den Spielern nicht bekannt sind und die sie jetzt aufdröseln müssen, aber ich bin wirklich sehr angetan davon, wie sich das ganze entwickelt hat. Dass sich dadurch das Ganze in einer gewissen Komplexität verloren hat, ist dabei gar nicht schlimm, auch wenn wir jetzt bei jeder Sitzung, da wir nur sehr unregelmäßig spielen, einiges an Zeit aufwenden müssen, um die bisherigen Geschehnisse zu rekapitulieren.

So richtig benennen, was mir nicht gefällt, kann ich gar nicht. Als "narratives" System ist es halt sehr "fluffy", viele Effekte von Handlungen, Würfelergebnissen werden eher ausdiskutiert, was zumindest in der Theorie zu Problemen führen kann, in der Praxis habe ich das noch nicht erlebt. Solange das Miteinander zw. Spielern und SL passt und niemand gegen den anderen spielt bzw. das Gefühl bekommt, der andere würde das tun, sehe ich da keine Probleme.
Charaktere erstellen und einfach loslegen ist natürlich nur mit einem vorgefertigten Abenteuer, welches das Phasentrio erstmal ignoriert oder entsprechender Kreativität des SL möglich, wenn dieser in der Lage ist, aus dem Stegreif mit den Aspekten der Spieler zu improvisieren. Improvisation ist generell ausschlaggebend bei FATE, wie oben schon erwähnt, außerdem braucht der SL vielleicht in einem noch stärkeren Ausmaß Überblick über die Charaktere, besonders über die Aspekte, um mit diesen im richtigen Moment interessante Situationen zu generieren, auch wenn FATE hier den Spielern die explizite Möglichkeit gibt, dem Spielleiter vorzuschlagen, einen Aspekt des Charakters zu "reizen".
Das Spiel ist sicherlich nichts für Simulationsfanatiker, die einfach einen gewissen "crunch" in den Regeln brauchen und alle möglichen Situationsmodifikatoren haben möchten.

Empfehlen würde ich es auf jeden, zumindest sollte man es mal ausprobiert haben, es ist mal eine etwas andere Herangehensweise. Natürlich ist vieles Geschmackssache.

Ich hatte ja auch schon mal angedeutet, dass ich auch mal in unserer Samstagsrunde mit FATE ein Setting leiten könnte.

Onkel Enzo

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 313
Antw:Fate
« Antwort #3 am: Januar 26, 2017, 15:13:38 Nachmittag »
Danke Armin.
Jetzt kann ich es kaum erwarten, unser Fate Deadlands an den Start zu bringen  ;D.
Das Originalsystem wirkte, abgesehen davon, dass es IMO nicht gerade das gelbe vom Ei war (eher das grüne), an vielen Ecken ein wenig einengend für meine Ideen für die Charaktergestaltung
Wenn du keine Witze darüber machen kannst, nimmst du es wahrscheinlich zu ernst.

Gandhi

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 523
  • Verschwörer
    • Kampfkunst Siegen Outdoor Training
Antw:Fate
« Antwort #4 am: Januar 27, 2017, 08:15:03 Vormittag »
Auf jeden Fall Danke für den Einblick.  [gut]

Interesse es mal zu testen hab ich jetzt auf jeden Fall.
In unserer Samstagsrunde würde ich es allerdings im Moment eher weniger spielen wollen, weil wir hier schon 3-5 Systeme parallel spielen und man nach deiner Beschreibung ein paar Spielabende mehr für einen Test einplanen sollte.
Wenn wir Mass Effect beendet haben, wäre das aber IMHO ein möglicher Nachfolger.

Es kursiert das Gerücht, ich hätte Gott gefunden. Ich denke, das ist unwahrscheinlich, weil ich genug Schwierigkeiten habe, meine Schlüssel zu finden; und es gibt empirische Beweise, dass diese existieren."  - Terry Pratchett

Kampfkunst Siegen Outdoor Training